Dann kann ich mir ja noch etwas mehr leisten – der Rebound-Effekt

Man kennt das: Ein Sonderangebot beim Bäcker: 5 statt 6 €. Da nehme ich doch die leckeren Kekse für 1 € auch noch mit.

Oder: Ich habe mir einen teuren Toyota Prius mit Hybrid-Motor gekauft. Wegen des geringen Benzinverbrauchs fahre ich nun mit dem Auto zur Arbeit statt wie bisher mit dem Bus.

Rebound oder backfire

Das nennt sich Rebound-Effekt: Einsparungen, Effizienzgewinne motivieren zu Zusatz- oder Mehrverbrauch, der den Gewinn wieder schmälert oder aufzehrt. Wird über-kompensiert, also Kekse für 1,20 €, nennen die Volkswirte das „backfire“.

Doch wie hoch ist der Rebound-Effekt überhaupt? Das Bundesumweltamt schätzt ihn auf 20-40% je nach Bereich, also Kekse für 60-80 Cent (1 € Sonder-Ersparnis = 100 %). Eine Japanische Studie ermittelte: Nach dem Kauf eines Toyota Prius wurden damit 60% mehr km gefahren als mit dem Benziner zuvor.

Indirekte Rebound-Effekte

Kaum abzuschätzen sind dagegen die indirekten Rebound-Effekte: Autos, Smartphones, Computer z.B. nutzen die Energie immer effizienter, sparen Ressourcen und CO2-Emissionen ein, werden im Prinzip billiger.

Aber nur im Prinzip. Denn zusätzliche Funktionen und technische Möglichkeiten fordern die eingesparte Energie zurück. Oder die Effizienzgewinne ermöglichen eine Mengenausweitung: geringerer Einzelpreis, mehr Absatz.

Ich möchte als Kunde die Effizienzgewinne für mich und die Umwelt nutzen? Geht nicht:  Einfache, Ressourcen sparende Computer oder Smartphones, die nur können, was ich will, sind nicht im Angebot.

Das Ziel der Hersteller ist eben nicht Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung zum Vorteil von Umwelt, Klima und Geldbeutel. Es ist die Wertschöpfung, sprich: der Gewinn, die Verteidigung der Marktmacht.

Man stelle sich vor, VW hätte den Entwicklern von Käfer bis Golf nur die Ziele Sparsamkeit und Sicherheit vorgegeben, und nicht PS-Kraft, Funktionen, Komfort. Wir könnten heute vielleicht ein 2-Liter-Auto (Verbrauch, nicht Hubraum!) fahren, das noch 150 Km/h erreicht, weniger Schadstoffe emittiert, schmale, leise Reifen mit weniger Abrieb benötigt und uns dennoch sicher und günstig von A nach B bringt. Wir wären den Pariser Klimazielen um einiges näher.

Noch ein anderer Rebound-Effekt: In Skandinavien ersetzten Energiesparlampen die alten wärmeintensiven Glühlampen. Folge: Die Heizungen mussten hochgedreht werden, um die Wärmeverluste ausgleichen.

Und was lehrt uns das?

Das Wettbewerbs- und Wachstumsmodell zwingt dazu, umweltentlastende Effizienzsteigerungen für Funktions- und Mengenausweitungen zu nutzen und nicht für die Umwelt. Die Verbraucher machen mit, der Werbung sei Dank.

Klima- und Ressourcenschutzpolitik muss endlich den Rebound-Effekt ernst nehmen, will sie erfolgreich sein: Jede Entlastung – z.B. bei der Pendlerpauschale – kann Rebound-Effekte auslösen – z.B. weitere Arbeitswege mit dem Auto. Die Abschöpfung der Effizienzgewinne an anderer Stelle (Steuern) oder verbindliche Grenzen, die insgesamt nicht überschritten werden dürfen – z.B. CO2-Emissionsgrenzen für ganze Industriezweige – helfen. Aber das ganz individuelle Kosten-Nutzen-(und Belohnungs-)Kalkül bleibt ziemlich unberechenbar.

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