Deutsche Importe und die Ausbeutung von Mensch und Natur

Der Welthandel: Ist er die Krone der Marktwirtschaft, win-win, Wohlstandsmehrung für alle? Oder trägt, wer Mode, Essbares oder Rohstoffe aus dem globalen Süden kauft, zur Ausbeutung von Mensch und Natur bei?

Globalisierung

Die Außenhandels-Statistiken Deutschlands – vor der Corona-Krise – sind beeindruckend: Ein Gesamtumsatz (Im- und Export) von 2,4 Billionen € (2019) mit über 200 Partner-Ländern. Allein die Importe aus China betrugen –  über 109 Mrd. €, aus Indien gut 9 Mrd. €. Textilien, Lebensmittel und Rohstoffe haben dabei nur Wertanteile von jeweils unter 10 % des gesamten deutschen Imports. Die Vielfalt der Importwaren ist kaum überschaubar.

Doch was besagt das für unsere Ausbeutungs-Frage? Wohl nur eins: Für den umfangreichen Außenhandel Deutschlands bedarf es einer immensen Logistik, die Unmengen – meist fossiler – Energie verschlingt. Und mehr noch verschlingt die Produktion der Waren: eine gigantische „Ausbeutung“ von Ressourcen.

und menschliche Opfer im globalen Süden

Dabei werden in den Exportwirtschaften unserer Handelspartner immer wieder Menschen Opfer: Furchtbar war der Einsturz des Rana Plaza 2013 in Bangladesch. Hunderte Näherinnen auch für deutsche Modefirmen starben. Teefarmen im indischen Assam zahlen Hungerlöhne. In Brasilien verlieren indigene Völker ihre Heimat durch Brandrodung des Urwalds für neuen Sojaanbau. Pestizid-Einsätze aus der Luft vergiften Arbeiter*innen in Bananenplantagen in Equador. Kinder werden ausgebeutet in der indischen Steinindustrie für den Export und beim Kakao-Anbau in der Elfenbeinküste. 

Muss man das verallgemeinern? Klar ist, dass deutsche Importeure nicht zufällig in China und armen Ländern einkaufen: „Komparative Kostenvorteile“ nennen sich Hungerlohn & Co.

und Opfer in Natur und Umwelt

Nicht immer, aber auch nicht ganz selten, fordert die Exportwirtschaft im Süden auch Umwelt-Opfer: Der Baumwoll-Anbau für Textilien braucht viel Wasser und Pestizide und ruinierte z.B. den Aralsee in Usbekistan. Die Goldgewinnung in Südamerika vergiftet Flüsse und Landschaften mit Zyanid und Quecksilber. Das Färben von Textilien in Indien verseucht Flüsse. Unfälle von Tankern und Bohrplattformen haben zigtausend Meeresbewohner vernichtet. Dammbruch und Schlammlawine des brasilianischen Export-Konzerns Vale im Januar 2019 töteten über 240 Menschen und kontaminierten die Umgebung.

Immer wieder geschehen Unfälle und Umweltkatastrophen, nicht nur in armen Exportländern. Unklar bleibt, was das importiere T-Shirt, der Goldring, das Eisen-Werkzeug konkret mit  Ausbeutung zu tun hat.  

Was hilft?

Nicht jede Importware muss auf Ausbeutung beruhen. Unsere Importe können auch auch wichtige Arbeitsplätze, Entwicklungsmöglichkeiten und Volkseinkommen in den Exportländern schaffen.

Entscheidend sind die Verträge zwischen den Staaten und zwischen den Unternehmen über Arbeitsbedingungen, Löhne und Umweltstandards. Sie müssen vereinbart, aber auch durchgesetzt werden. Zuständig dafür ist in erster Linie das Exportland bzw. der Hersteller. Aber auch die deutschen Auftraggeber und Importeure tragen eine Mitverantwortung. Meine Meinung: Als reiches Importland müssen wir beim Schutz von Mensch und Umwelt im Welthandel vorangehen. Es gibt Beispiele – vom fairtrade-Siegel bis zum grünen Knopf. „Geiz-ist-geil“ läuft dem jedoch zuwider. Ein Lieferkettengesetz könnte Mindeststandards für Menschrechte setzen, Haftung klären und die Transparenz in Lieferbeziehungen steigern. Entscheidend ist aber nicht nur die Normen, sondern ihre Umsetzung in der Realität.

Viola auf Pixabay