„Die Papiere, bitte“

verlangt der rote Papierkorb im Park. Bonbonpapier, Pappbecher, alte Zeitung. Die Stadtreinigung Hamburg entleert die Papierkörbe im Restmüll und verbrennt ihn. Schade! Im meinem Haushalt muss ich das Altpapier getrennt in der blauen Tonne sammeln – und es seit 2010 exklusiv der Stadtreinigung schenken.

Es ist aber eine kleine Erfolgsgeschichte.

Vom Papier zum Altpapier

Vorab: Papier herzustellen, ist energieintensiv und klimaschädlich. Eine Schulklasse (23 Kinder) bräuchte im Jahr Papier von 3,7 Eukalyptusbäumen oder 8 Fichten. Denn 1 kg Frischfaser-Papier benötigt ca. 2,2 kg Holz. Der deutsche Jahresverbrauch liegt bei 247 kg Papier pro Kopf (2017). Holz bzw. Zellstoff werden zu 80% importiert. Nicht immer haben die das Siegel des FSC (Forest Stewardship Council) für nachhaltige Forstwirtschaft: In Brasilien z.B. werden auch Urwälder für Eukalyptus-Plantagen gerodet. Und in Deutschland erzeugt die Papierindustrie dann fast 10 Mio t CO2 (2016).

Und wo ist die Erfolgsgeschichte? Das Altpapier halbiert die Zahl der nötigen Bäume! Landesweit werden 75% des gebrauchten Papiers eingesammelt und wieder in der Papierherstellung eingesetzt – bei Verpackungen und Zeitungen zu ca. 100%, bei Hygienepapieren (Klopapier) zu 46% und bei Büro-Papieren zu 34% (2017). Dies spart gegenüber Frischfaser-Papier ca. 60% Energie, ca. 70% Wasser und Millionen Tonnen CO2. Recyclingpapier mit dem Blauen Engel ist ein echter Ressourcen- und Klimaschützer!  

Also alles prima? Hm, es geht mehr. Noch immer sterben zu viele Bäume für Papier! Bei Büro- und Hygienepapieren könnte der Anteil des Recyclingpapiers – im Angebot wie bei der Nachfrage – deutlich höher sein. Die Kinderkrankheiten (Farbe, Beständigkeit) hat das Recyclingpapier jedenfalls längst überwunden.

Aber brauchen wir überhaupt noch so viel Papier?

Die Hamburger Verwaltung (ohne Schulen) hat ihren Papierverbrauch von 2015 bis 2017 immerhin auf 217 Mio Blatt glatt halbiert. Das papierlose Büro auf dem Vormarsch! Der gesamte Papierverbrauch landesweit ging in den letzten Jahren allerdings kaum zurück.

Und ich als Privatperson? Ich kann am Briefkasten „Keine Werbung“ anbringen, beidseitig ausdrucken / kopieren und viele Ausdrucke ganz vermeiden. Pappbecher to go müssen nicht sein. Ich kann auf Onlinebanking umschalten und den verpackungsreichen On-line-Handel auf das Notwendigste beschränken.

Aber da sind ja noch die Zeitungen und die Bücher! Noch, muss man wohl sagen: Allein von 2000 bis 2018 gingen die Zeitungsauflagen in Deutschland von 23,9 auf 14,3 Mio Exemplare zurück. Seitdem auch ich auf online-Zeitung umgestiegen bin, hat sich mein Beitrag zur blauen Tonne mindestens halbiert. Noch kann ich mich nicht dazu durchringen, auch Bücher nur noch elektronisch zu lesen. Ich gebe sie gerne in der Familie und an Freunde weiter. Und  ich liebe zu schmökern…

Das Lesen am Bildschirm spart Papier, ist aber auch nicht klimaneutral: Wie viel Energie verbraucht mein Rechner, Smartphone, Tablet? Mit welchen Ressourcen wurden sie hergestellt? Wie lange lese ich elektronisch, wie viele Menschen lesen dieselbe Papier-Zeitung, dasselbe Papierbuch? Ein eindeutiger Umweltbilanz-Vergleich zwischen Print und online ist allenfalls individuell möglich.

Jedenfalls möchte ich, dass auch die Stadtreinigung Hamburg ihre 10.000 Papierkörbe sortiert wie vor 1991 – nun natürlich maschinell.

Foto: Sonja Paetow auf Pixabay