Mein Mobilitäts-Traum für Hamburg 2050

2050 werde ich nicht mehr erleben. Aber meine beiden Enkel werden dann ihr Berufsleben beginnen, vielleicht eine Familie gründen …

2050 ist alles „decarbonisiert“. Nach dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung mindert sich der CO2-Ausstoß des Verkehrs bis 2030 um -40% bis -42% gegenüber 1990, bis 2050 um 80% – 95%. Der Verkehr ist der einzige Bereich, der seit 1990 mehr statt weniger CO2 emittierte. In Hamburg sind die CO2-Emissionen im Verkehr sogar pro Kopf seit 10 Jahren nicht gesunken: Wir brauchen eine radikale Transformation der Mobilität, eine völlige Abkehr von fossilen Kraftstoffen. Das verunsichert, macht vielleicht Angst. Oder es setzt Phantasie frei, Visionen: Denn es geht um viel mehr als nur um eine zügige Fortbewegung von A nach B. Es geht um eine neue Idee von Stadt und Mobilität.

Ich träume – für meine Enkel – von einer Straßen- und Kantstein-freien Hamburger Innenstadt zwischen Hauptbahnhof und Dammtor, für Fußgänger, Tretroller und Fahrräder (bis 15 km/h). Baumgruppen mit Tischen und Bänken, Blumenhochbeete und Skulpturen bevölkern die Flächen. Cafés, Restaurants und Biergärten, aber auch barrierefreie öffentliche Toiletten. Und nahe den Fußgängerströmen Straßenkünstler*innen mit Musik, Akrobatik, Tanz. Ein mediterranes Lebensgefühl. Lieferanten und Handwerker, Reinigungsfirmen und Zusteller kommen behutsam in emissionsfreien Fahrzeugen, regelhaft vor 10 Uhr morgens. Elektro-Shuttles oder Sammeltaxis befördern Behinderte, Senioren und Familien mit Kleinkindern. Flanieren, sich treffen, klönen, Besorgungen machen. Größere Einkäufe werden in nahen Schließfächern zwischengelagert oder nach Ladenschluss per Lastenfahrrad an die Kunden ausgeliefert.

Und die arbeitende Bevölkerung? Als Mobilitäts-Rückgrat der Stadt für alle – gerade auch für Pendler aus dem Umland – sorgt ein komfortabler öffentlicher Nahverkehr im durchgehenden 5-Minuten-Takt mit einfachen, günstigen Tarifen – oder einem 365 € – Jahresticket nach Wiener Vorbild. Emissionsfreie und geräuscharme Stadtbahnen und HVV-Busse mit außen angebrachten Fahrradträgern (wie in Washington) fahren bis in die Randzone der Innenstadt und Stadtteilzentren; Fahrrad-Park- und Leihstationen ergänzen die Haltestellen (wie bei der Hoheluftchaussee). Der Privat-PKW wird unnötig, der Parkraum für ihn im öffentlichen Raum selten und teuer. Fahrradstraßen und –schnellstraßen verbinden Wohnung und Arbeitsplatz auch über 10 bis 20 km. Über die ganze Stadt verteilt stehen emissionsfreie Carsharing- und Miet-Autos für besondere Anlässe wie Umzüge, Ausflüge, Transporte zur Verfügung.

Für Mittel- und Langstrecken aus Hamburg heraus stelle ich mir einerseits einen pünktlichen, komfortablen Bahnverkehr vor. Andererseits an den Endstationen des HVV und an Ausfallstraßen Umsteigestationen für Überlandbusse, Miet- und Carsharingautos mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie (mit größerer Reichweite als beim Batterieantrieb). Auch für LKW, die quer durch Europa die größeren Verteilzentren beliefern, denke ich an Antriebe mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen. Dasselbe für Schiffe und Flugzeuge. Das wird aber sehr teuer – und eine Fernreise wieder ein seltener Luxus, der die Umweltkosten ehrlich wiedergibt. Wie in meiner Jugend.

Man wird doch noch träumen dürfen, oder? Übrigens: Flugtaxis kommen in meiner Vision nicht vor.

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