Wasser – real und virtuell

August. Hochsommer, Hitzewellen. Trinken, Bewässern, Löschen: Mit der Erderwärmung wächst der Bedarf an Wasser. Gibt es genug?

Gute Nachrichten: 1. Wasser geht nicht verloren, es bildet einen Kreislauf. 2. In Norddeutschland füllen Niederschläge die Grundwasserentnahmen für das Trinkwasser wieder auf. Schlechte Nachrichten: 1. Der Wasserkreislauf ist überregional: Das verdunstete Wasser vom Tschadsee regnet sich auch woanders als im Sahel wieder ab. 2. Viel Flusswasser geht durch Verschmutzung als Lebensmittel verloren, wird zu Abwasser.

Eine lokale Ressource

Hamburg: Eine Privatperson verbrauchte 2019 ca. 117 Liter Trinkwasser pro Tag (2019). Das bildet sich bald neu und ist weniger als der deutsche Durchschnitt. Sparen wir im Haushalt viel Wasser, braucht die Stadt wieder Wasser zur Spülung der Abwasserrohre. Aber es wird wärmer…Und die Coronakrise hat den Tagesverbrauch um 3,1% erhöht.

Wasser ist eine lokale Ressource und kaum übertragbar in entfernte Regionen. Die Trinkwasserprobleme in Indien, Nordafrika oder im Nahen Osten können nur dort gelöst werden.

Da sind wir in Hamburg ja fein raus! Wirklich?

Virtuelles Wasser

Nein, es ist komplizierter – auch wenn wir unseren Wasserkonsum als Touristen in warmen, wasserarmen Ländern einmal beiseitelassen: Wasser kommt nicht nur aus dem Hahn, es steckt auch in unserem Konsum – als „virtuelles Wasser“.  Ein Baumwoll-T-Shirt braucht bis zu 15.000 l Wasser – für die Feldbewässerung, für Waschen und Färben der Fasern, für Produktion und Transport der Kleidung. In 1 kg Rindfleisch (einschließlich Futterproduktion) stecken 15.400 l und in 1 kg Kaffee sogar 21.000 l Wasser – 140 Liter pro Tasse! Pro Kopf und Tag nutzen wir in Deutschland ca. 4000 Liter virtuelles Wasser. Und zwei Drittel davon aus anderen Ländern.

Das hat Folgen: So verlandete und versalzte der Aralsee durch die Bewässerung der Baumwollfelder ringsherum. 70 % des weltweiten Wasserverbrauchs nutzt die Landwirtschaft – über Brunnen oder die Anstauung von Flüssen. Beides macht Probleme: Das Anzapfen von Grundwasser über die Neubildungsrate hinaus gefährdet die Versorgung der Bevölkerung. Große Staudammprojekte haben gravierende ökologische und soziale Folgen: Versalzung, Fisch-Sperren; Umsiedlung, Vertreibung.

Also keine Importe mehr aus wasserarmen Regionen? Kaffee und Schokolade weglassen (1 kg Kakao = 27.000 l Wasser!)?

Meine Meinung

Es ist noch viel komplizierter: Bevor ich nachhaltig kaufen (oder verzichten) kann, müsste ich die genauen Herstellungsbedingungen des Produkts vor Ort kennen. Immerhin bedeutet der Export für viele Länder und Bevölkerungen eine wesentliche Stütze ihres Wohlstands, für die Landbevölkerung unverzichtbares Arbeitseinkommen. Ein Boykott von Waren mit hohem Wasserbedarf wäre kein Garant für eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser.

Von Hamburg aus kann ich aber weder beurteilen, woher das Wasser für „meine“ Kaffee-Plantage kommt, noch, ob es alternative Arbeitsplätze für die Bevölkerung gäbe, noch, wem die Exporterlöse tatsächlich zugutekommen. Ich muss mich da auf  andere verlassen: auf Zertifikate wie das Bio- und das „Transfair“-Siegel oder – beim T-Shirt – auf Bio-Baumwoll-Labels. Doch ehrlich gesagt: Das ist nicht immer so einfach wie beim Kaffee. Ich versuche es weiter.

Foto: Markus Distelrath auf Pixabay